Mieterstrom-Modell: Wirtschaftlichkeit fuer Vermieter und Mieter
Berechne, wie sich ein Mieterstrom-Modell rechnet - fuer den Vermieter als Anlagenbetreiber und fuer die Mieter als Stromabnehmer.
Erklärung
Mieterstrom bedeutet: Der Vermieter (oder ein Dritter) installiert eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses und liefert den Strom direkt an die Mieter im selben Gebaeude oder im raeumlichen Zusammenhang. So wird der erzeugte Solarstrom vor Ort verbraucht, das oeffentliche Netz wird entlastet, und Mieter kommen erstmals direkt in den Genuss von guenstigem Solarstrom - ohne eigene Dachflaeche. Rechtsrahmen: Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2023) geregelt, Hauptanspruch auf Mieterstromzuschlag laut Paragraph 21 EEG. Voraussetzungen: PV-Anlage maximal 100 kWp, auf, an oder in einem Wohngebaeude, mindestens 40 Prozent der Flaeche zu Wohnzwecken, Mieter werden direkt im Gebaeude oder Quartier beliefert (kein Durchleiten ueber oeffentliches Netz). Mieterstrompreis-Deckel: Der Vermieter darf maximal 90 Prozent des oertlichen Grundversorger-Tarifs verlangen. Bei 38 ct Grundversorger sind also 34,2 ct die Obergrenze, in der Praxis werden 25-30 ct angesetzt - sonst lohnt es sich fuer Mieter nicht. Mieterstromzuschlag 2026 (Stand EEG, halbjaehrliche Degression): Bis 10 kWp 2,67 ct/kWh, 10-40 kWp 2,48 ct/kWh, 40-100 kWp 1,67 ct/kWh - ZUSAETZLICH zur Stromrechnung an die Mieter. Reststromlieferung: Mieter beziehen typischerweise nur 30-40 Prozent ihres Stroms aus der PV-Anlage. Der Rest (nachts, Winter) muss aus dem Netz kommen - ueber einen Reststrom-Liefervertrag, den der Vermieter vermitteln oder zukaufen muss. Steuerlich problematisch: Wer als Privatvermieter Mieterstrom anbietet, riskiert die gewerbliche Infektion seiner Vermietungseinkuenfte (gesamte Mieteinnahmen werden gewerblich, mit Gewerbesteuer). Loesung: Mieterstrom-Lieferung ueber separate GmbH oder Kooperationsmodelle mit Energieversorgern. Mieterstrom-Plus-Modelle: Mit Speicher und Waermepumpe als Sektorkopplung kann der Eigenverbrauchsanteil deutlich erhoeht werden. Beispielrechnung 30 kWp, 6 Mieter mit je 2.500 kWh und 35 Prozent PV-Deckung: PV-Anteil pro Mieter 875 kWh, Ersparnis pro Mieter (38-28) ct mal 875 gleich 87 Euro. Vermieter erhaelt 6 mal 875 kWh mal 28 ct gleich 1.470 Euro plus Mieterstromzuschlag 6 mal 875 kWh mal 2,48 ct gleich 130 Euro. Plus Einspeisung des Ueberschusses. Komplex, aber bei guter Auslegung wirtschaftlich tragfaehig.
Häufige Fragen
Was ist der Mieterstromzuschlag? +
Eine staatliche Foerderung nach EEG: Der Anlagenbetreiber bekommt 1,67-2,67 ct/kWh ZUSAETZLICH fuer Strom, der direkt an Mieter im Gebaeude geliefert wird. Voraussetzung: max. 100 kWp Anlage, mehr als 40 Prozent Wohnflaeche.
Wie hoch darf der Mieterstrompreis sein? +
Maximal 90 Prozent des oertlichen Grundversorger-Tarifs. Bei 38 ct Grundversorger also bis 34,2 ct - in der Praxis werden meist 25-30 ct angesetzt, sonst lohnt es sich fuer den Mieter kaum (er muss freiwillig wechseln).
Sind Mieter zur Teilnahme verpflichtet? +
Nein - Mieter haben Wahlfreiheit. Sie koennen bei ihrem bestehenden Stromversorger bleiben. Der Mieterstromvertrag muss ueber 1 Jahr Laufzeit haben (Verbraucherschutz), Mieter koennen jaehrlich wechseln.
Wer organisiert den Reststrom? +
Der Mieterstrom-Anbieter (Vermieter / Dritter) muss auch die Reststromlieferung sicherstellen - typisch ueber Kooperation mit einem regionalen oder bundesweiten Stromversorger. Mieter haben EINEN Vertrag fuer beides.
Welche steuerlichen Risiken gibt es? +
Privatvermieter riskieren bei direkter Mieterstrom-Lieferung die 'gewerbliche Infektion' aller Mieteinnahmen (Gewerbesteuer, Verlust der 10-Jahres-Frist). Loesung: Auslagerung in separate GmbH oder Kooperation mit Energiedienstleister.
Lohnt sich Mieterstrom finanziell? +
Ja, wenn die Anlage gut ausgelegt ist (40-80 kWp, 4-10 Wohnungen) und mindestens 4-6 Parteien teilnehmen. Amortisation typisch 10-14 Jahre. Bei zu kleinen Anlagen lohnt der Verwaltungsaufwand nicht (Messwesen, Abrechnung, Reststrom).