Heizlast deines Hauses überschlagen
Wie viel kW Heizleistung braucht dein Haus wirklich? Eine grobe Schätzung der Norm-Heizlast – essenziell für die richtige Wärmepumpen-Größe.
Erklärung
Die Heizlast ist die maximal benötigte Heizleistung an einem Auslegungstag (kältester Tag, der statistisch alle paar Jahre vorkommt). Sie ist die zentrale Größe bei der Auslegung jeder neuen Heizung – besonders bei Wärmepumpen, deren Effizienz stark von der korrekten Dimensionierung abhängt. Eine zu groß gewählte Wärmepumpe taktet, taktet, taktet – was die JAZ um 0,5-1,0 Punkte senkt und damit Hunderte Euro pro Jahr kostet. Die exakte Berechnung erfolgt nach DIN EN 12831 Raum für Raum, mit U-Werten aller Bauteile, Norm-Innentemperaturen, Norm-Außentemperatur (regional zwischen -10 °C in Hamburg und -16 °C in Garmisch) und Lüftungswärmeverlusten. Profis erstellen so eine Heizlast-Berechnung von 30-100 Seiten – das ist Pflicht für jeden BAFA-Förderantrag und für eine korrekte Wärmepumpenauslegung. Für eine erste Abschätzung reicht jedoch der spezifische Heizleistungsbedarf q [W/m²] mal Wohnfläche. Typische Erfahrungswerte (Quellen: VDI 4655, BDH, dena): - Unsanierter Altbau (vor 1977): 100-150 W/m². Schlechte Fenster, kaum Dämmung, oft Hochtemperatur-Heizkörper. Beispiel 140 m² → 14-21 kW. - Altbau teilsaniert (neue Fenster, Dach): 80-110 W/m². - Bauten der WSchVO 1984 (1980-95): 70-90 W/m². - Bauten EnEV 2002-2009 oder umfassende Sanierung: 50-70 W/m². - KfW-70 / EnEV 2014: 40-50 W/m². - Neubau GEG 2024 / KfW-55: 25-35 W/m². - Passivhaus / KfW-40+: 10-20 W/m². Korrektur für Klimazone: In milden Gegenden (Köln, Hamburg, Trier) genügt der untere Bereich, in kalten Lagen (Schwarzwald, Erzgebirge, Bayerischer Wald >500 m ü. NN) müssen 10-15 % aufgeschlagen werden, weil die Auslegungstemperatur bei -14 bis -18 °C statt -10 °C liegt. Wichtige Praxis-Korrektur: Der Energieverbrauch in kWh/m² (Energiekennzahl) und die spezifische Heizlast in W/m² hängen eng zusammen, sind aber nicht identisch. Für ein Mittelklasse-EFH gilt grob: kWh/m² × 0,4 = W/m². Beispiel: 160 kWh/m² Energiekennzahl × 0,4 ≈ 64 W/m² Heizlast. Diese Faustformel hilft, wenn nur der Energieausweis vorliegt. Für die Wärmepumpen-Auslegung gilt: Die Nennleistung der WP bei Auslegungstemperatur (z.B. A-7/W35 oder A-10/W35) muss mindestens der Heizlast entsprechen. Da Luftwärmepumpen bei sinkender Außentemperatur Leistung verlieren, kommt 5-10 % Reserve drauf – nicht mehr! Wer eine 10-kW-WP in ein Haus mit 6 kW Heizlast einbaut, hat eine 67 % Überdimensionierung – Taktbetrieb mit ineffizientem Verschleiß. Korrekt ausgelegt sind moderne WP mit Inverter sogar leicht modulierend bis 25 % Teillast lauffähig. Wichtig: Dieser Rechner ist eine Plausibilitätsprüfung. Für den Förderantrag und die richtige Größenwahl der Wärmepumpe ist eine professionelle Heizlastberechnung Pflicht – machen Energieberater, Installateure und Planungsbüros, Kosten typisch 250-700 € (förderfähig).
Häufige Fragen
Was ist die Heizlast? +
Die maximale Heizleistung in kW, die ein Gebäude am kältesten statistischen Tag braucht (Norm-Auslegungstemperatur, regional -10 bis -16 °C). Sie bestimmt die richtige Größe der Heizung.
Wie viel kW Heizlast hat ein normales Einfamilienhaus? +
Typisch 6-12 kW. Unsanierter Altbau bis 18 kW, gut sanierter Altbau 8-10 kW, Neubau GEG 4-6 kW, Passivhaus unter 3 kW – jeweils für 140 m².
Warum ist die richtige Heizlast wichtig für Wärmepumpen? +
Eine zu große Wärmepumpe taktet ständig (kurze An-Aus-Zyklen), das senkt die Jahresarbeitszahl um 0,5-1,0 und kostet 200-500 €/Jahr extra Strom. Außerdem mehr Verschleiß.
Wie berechne ich die Heizlast genau? +
Nach DIN EN 12831 Raum für Raum mit U-Werten, Lüftungsverlust und Norm-Außentemperatur. Macht ein Energieberater oder Heizungsbauer für 250-700 € (förderfähig). Pflicht für BEG-Antrag.
Wie hängen Heizlast und Energieverbrauch zusammen? +
Faustregel: Energiekennzahl (kWh/m²) × 0,4 ≈ spezifische Heizlast (W/m²). Beispiel: 160 kWh/m² Energieausweis × 0,4 = 64 W/m². Der Verbrauch hängt zusätzlich von Heizgewohnheiten ab, die Heizlast nicht.
Was sind W/m² für Altbau und Neubau? +
Altbau unsaniert 100-150 W/m², Altbau saniert 60-90 W/m², EnEV-Neubau 30-45 W/m², Passivhaus 10-15 W/m². Klimazone gibt 10-15 % Aufschlag oder Abschlag.
Reicht dieser Rechner für die Wärmepumpen-Größe? +
Als erste Schätzung ja. Für den Kauf und die BAFA/KfW-Förderung musst du eine professionelle Heizlastberechnung vorlegen – ohne die wird die Förderung nicht ausgezahlt.