U-Wert eines Bauteils berechnen
Wie gut dämmt deine Wand wirklich? Aus Schichtdicken und λ-Werten ergibt sich der U-Wert in W/m²K.
Erklärung
Der U-Wert (auch Wärmedurchgangskoeffizient) gibt an, wie viel Watt Wärme bei 1 K Temperaturdifferenz pro Quadratmeter durch ein Bauteil entweichen. Einheit: W/(m²·K). Je niedriger der U-Wert, desto besser dämmt das Bauteil. Ein typisches Einfachfenster aus 1980 hat einen U-Wert von 5,8 W/m²K – verliert pro m² und 1 K Differenz also 5,8 Watt. Ein 3-fach verglastes Fenster heute liegt bei 0,8 W/m²K, also über 7-mal besser. Berechnung Mehrschicht-Bauteil: Wärmeübergangswiderstand innen Rsi + Summe aller Schicht-Wärmedurchlasswiderstände (R = d/λ) + Wärmeübergangswiderstand außen Rse = R-total. U = 1/R-total. Wärmeleitfähigkeit λ (lambda) typischer Baustoffe in W/(m·K) – je niedriger, desto besser dämmend: Dämmstoffe: - Polyurethan PUR/PIR: 0,022-0,028 - Vakuumdämmplatte VIP: 0,007 (extrem dünn nutzbar) - Mineralwolle (Glaswolle, Steinwolle): 0,032-0,045 - EPS Polystyrol weiß: 0,035-0,040 - EPS grau (mit Graphit): 0,031-0,034 - XPS extrudiert (Perimeter): 0,032-0,040 - Holzfaserdämmplatten: 0,038-0,050 - Zellulose-Einblasdämmung: 0,038-0,045 - Hanf, Schafwolle: 0,038-0,048 Mauerwerk und Beton: - Vollziegel: 0,68-0,90 - Kalksandstein: 0,80-1,30 - Hochlochziegel (T7-T11): 0,07-0,11 (Nur Ziegel-Lochanteil!) - Porenbeton (KSP, Ytong): 0,08-0,18 - Bimsbeton: 0,33-0,50 - Stahlbeton: 1,80-2,30 Holz und Holzwerkstoffe: - Vollholz quer zur Faser: 0,13 - OSB-Platte: 0,13 - Holzweichfaserplatte: 0,038-0,050 Putz/Beläge: - Innenputz Gips: 0,40 - Innenputz Kalk: 0,70 - Außenputz Mineralisch: 0,80-1,00 - Fliesen: 1,00-1,30 - Estrich: 1,40 Beispiel typische Außenwand mit WDVS: - Innenputz 1,5 cm / λ 0,7: R = 0,021 - Vollziegel 24 cm / λ 0,79: R = 0,304 - WDVS EPS 16 cm / λ 0,035: R = 4,571 - Außenputz 1 cm / λ 0,8: R = 0,013 - Übergangswiderstände 0,17 - Total R = 5,08 → U = 0,197 W/m²K (BEG-konform) GEG-2024-Mindestwerte (bei Sanierung > 10 % Bauteilfläche): - Außenwand: 0,24 W/m²K - Dach: 0,20 W/m²K - Decke gegen unbeheizt: 0,30 W/m²K - Kellerdecke: 0,30 W/m²K - Fenster: 1,30 W/m²K BEG-Förderanforderungen (strenger als GEG): - Außenwand: 0,20 W/m²K - Dach: 0,14 W/m²K - Decke obere: 0,14 W/m²K - Kellerdecke: 0,25 W/m²K - Fenster Uw: 0,95 W/m²K (Verglasung Ug ≤0,7) Wärmebrücken: dieser Rechner gibt den eindimensionalen U-Wert. Reale Bauteile haben Wärmebrücken (Anschlüsse, Stürze, Stützen), die den effektiven Wärmeverlust um 5-25 % erhöhen können. Im Energieausweis wird darum mit einem pauschalen Zuschlag ΔU_WB = 0,05-0,10 W/m²K gerechnet. Feuchteschutz: niedriger U-Wert ist nur die halbe Miete. Insbesondere bei Innendämmung muss mit dem Glaser-Diagramm oder dynamischer Simulation (WUFI) geprüft werden, dass kein Tauwasser im Bauteil entsteht. Ohne diese Prüfung droht Schimmel hinter der Dämmung. Wichtig: dieser Rechner ist eine Plausibilität. Für offizielle Nachweise (Energieausweis, BEG-Antrag) braucht es eine Berechnung nach DIN 6946 mit Wärmebrückenzuschlag und Feuchteschutznachweis – machen Energieberater oder Bauphysiker.
Häufige Fragen
Was ist ein guter U-Wert? +
Außenwand: <0,20 sehr gut (BEG-Förder-Niveau), 0,24 GEG-Pflicht. Fenster <1,0 sehr gut, 1,3 GEG-Pflicht. Dach <0,14 sehr gut. Altbau-Außenwände 1,2-1,8 (typisch 24 cm Vollziegel ohne Dämmung).
Was ist der λ-Wert? +
Wärmeleitfähigkeit eines Materials in W/(m·K). Je niedriger, desto besser dämmend. Mineralwolle 0,035-0,045, Beton 2,1, Vollholz 0,13, PUR 0,025.
Wie wirken sich Wärmebrücken aus? +
Sie erhöhen den effektiven Wärmeverlust um 5-25 % über den 1D-U-Wert hinaus. Im Energieausweis pauschaler Zuschlag ΔU_WB = 0,05-0,10 W/m²K. Detailrechnung kann Wärmebrücken auf 0,02-0,03 reduzieren.
Welcher U-Wert für BEG-Förderung? +
Außenwand 0,20 W/m²K, Dach 0,14, Kellerdecke 0,25, Fenster 0,95. Diese Werte erreichen typische 14-20 cm WDVS-Fassaden, 20-30 cm Dachdämmung und 3-fach-Verglasungen.
Was passiert, wenn ich nur teilweise dämme? +
Wärmebrücken können das Ergebnis ruinieren. Bei einer Teilfassade vom Hof sollten alle 4 Außenseiten dämmen, sonst entstehen kalte Innenwände → Schimmelgefahr. Energieberater einbinden.
Was ist Rsi und Rse? +
Wärmeübergangswiderstände außen (Rse) und innen (Rsi). Sie modellieren den Übergang von Luft zur Bauteiloberfläche. Rsi 0,13 m²K/W (Wand), 0,10 (Decke n. oben), 0,17 (Boden). Rse meist 0,04, 0,00 bei Erdkontakt.
Reicht dieser Rechner für den Energieausweis? +
Als Plausibilität ja. Für offizielle Nachweise sind Berechnungen nach DIN 6946, Wärmebrückenzuschlag und ggf. Feuchteschutznachweis nach DIN 4108 nötig. Macht der Energieberater.