Brennwert-Heizung: Mehr-Wirkungsgrad und Ersparnis
Wie viel bringt ein Brennwertkessel gegenüber einem Niedertemperaturkessel? Energie-Ersparnis und Amortisation in Zahlen.
Erklärung
Brennwerttechnik nutzt im Gegensatz zu Niedertemperaturtechnik auch die Wärme, die im Wasserdampf der Abgase steckt – die sogenannte Kondensationswärme oder latente Wärme. Bei Verbrennung von 1 m³ Erdgas entstehen rund 1,6 kg Wasserdampf, deren Kondensation 11 % zusätzliche Wärme freisetzt. Bei Heizöl entsprechend 6 % Mehrgewinn. Wichtig zur Wirkungsgrad-Definition: Die Werte werden auf den Heizwert (Hi) bezogen. Da der Brennwert (Hs) den Wassergehalt der Abgase mitzählt, kann ein Brennwertkessel rechnerisch Wirkungsgrade über 100 % erreichen (bezogen auf Hi). Auf Hs bezogen sind es realistische 95-98 %. Vergleich der Heizgenerationen (Wirkungsgrad-Praxiswerte bezogen auf Heizwert Hi): - Standard-/Konstanttemperaturkessel (vor 1980): 70-80 %. Gibt es kaum noch im Bestand, weil seit 2015 austauschpflichtig (GEG). - Niedertemperaturkessel (1980-2000): 80-90 %. Modulieren Vorlauftemperatur nach Bedarf, kondensieren aber nicht. - Brennwertkessel (ab 1990, heute Standard): 95-105 %. Kondensieren systematisch. - Brennwert mit Solarthermie: nominell höher, weil ein Teil regenerativ. Kondensation tritt nur ein, wenn die Rücklauftemperatur unter dem Taupunkt liegt: - Erdgas: Taupunkt 56 °C → Brennwertgewinn nur, wenn Rücklauf ≤55 °C - Heizöl: Taupunkt 47 °C → Brennwertgewinn nur, wenn Rücklauf ≤45 °C Darum ist Brennwerttechnik in Kombination mit niedriger Heizungsauslegung optimal: - Fußbodenheizung 35/30 °C: voller Brennwertgewinn - Heizkörper 55/45 °C: Brennwertgewinn nur bei Teillast - Heizkörper 75/65 °C (Altbau-Auslegung): kein Brennwertgewinn, Brennwertkessel verhält sich wie Niedertemperaturkessel Konkrete Rechnung: 22.000 kWh Heizbedarf, alter Niedertemperaturkessel mit 82 %, neuer Brennwert mit 95 %. Brennstoffverbrauch alt: 22.000/0,82 = 26.829 kWh. Neu: 22.000/0,95 = 23.158 kWh. Ersparnis 3.671 kWh × 11 ct/kWh = 404 €/J. Bei 1.500 € Mehrkosten Investition Amortisation 3,7 Jahre. Lohnt sich der Tausch eines noch funktionierenden Niedertemperaturkessels? Von der Wirkungsgrad-Differenz allein meist nicht – über 15-20 Jahre Mehrwirkungsgrad gerechnet ja, aber die Investitionskosten eines kompletten Heizungstausches (8-12 T€ bei Gas) gegenüber 'nur weiter laufen lassen' rentieren sich oft erst kurz vor dem Defekt. ABER: Andere Faktoren 1. Austauschpflicht GEG § 72: Heizungen über 30 Jahre müssen ausgetauscht werden (Ausnahmen: Niedertemperatur-Geräte, selbstnutzende Eigentümer in Bestandsgebäuden, kleine Anlagen). 2. 65 %-EE-Regel: Seit 2024 müssen neue Heizungen mind. 65 % erneuerbare Energien nutzen. Das schließt reine Gas/Öl-Brennwerter weitgehend aus – sie sind nur als Hybrid (mit Solarthermie/PV/WP) oder im Bestand mit Härtefall-Ausnahme noch zulässig. 3. CO2-Preis: steigt bis 2030 auf 100-150 €/t voraussichtlich, Erdgas wird damit 5-15 ct/kWh teurer. Brennwert-Effizienz wird damit wirtschaftlich wichtiger. Darum heute meistens: Wenn alte Heizung tauschen, dann nicht zu Brennwert, sondern direkt zu Wärmepumpe (oder Hybrid). Brennwert ist 2026 eine Übergangslösung, vor allem in Häusern, wo Wärmepumpe (noch) nicht passt: Hochtemperaturheizkörper-Bestand, Fernwärmeanschluss-Plan in Sicht, Mehrfamilienhäuser mit komplexer Versorgung. Besondere Punkte beim Brennwert-Einbau: - Schornstein: Original-Schornstein ist meist nicht für Brennwert geeignet (Kondensat angesäuert greift Mauerwerk an). Edelstahlinnenrohr nachrüsten 1.500-3.500 €. - Kondensatabführung: ans Abwasser anschließen, ggf. Neutralisationsanlage bei Brennwertöl. - Hydraulischer Abgleich Pflicht für Förderung und gute Effizienz.
Häufige Fragen
Wie viel mehr Wirkungsgrad hat Brennwert? +
5-15 % gegenüber Niedertemperatur, je nach Heizungsauslegung. Bei niedriger Vorlauftemperatur (FBH 35/30 °C) voller Brennwertgewinn. Bei Hochtemperatur-Heizkörpern (75/65 °C) kein Mehrgewinn.
Ist Brennwert über 100 % Wirkungsgrad? +
Auf den Heizwert (Hi) bezogen ja, das ist normmäßig korrekt. Auf den Brennwert (Hs) bezogen wären es 90-95 %. Marketing nutzt meist Hi-Werte für höhere Zahlen.
Lohnt sich Brennwert beim Heizungstausch 2026? +
Nur in Ausnahmen. Seit 2024 gilt 65%-EE-Regel: neue Heizung muss 65 % erneuerbar nutzen. Reines Brennwert nur als Hybrid mit Solar/PV/WP oder als Härtefall. In den meisten Fällen direkt Wärmepumpe oder Hybrid sinnvoll.
Was ist der Taupunkt bei Brennwert? +
Erdgas 56 °C, Heizöl 47 °C. Rücklauftemperatur muss darunter liegen, damit Wasserdampf kondensiert und Brennwertgewinn anfällt. Sonst arbeitet Brennwert wie Niedertemperatur.
Brauche ich neuen Schornstein für Brennwert? +
In den meisten Fällen ja: ein Edelstahl-Innenrohr (1.500-3.500 €), weil Kondensat sauer ist und alten gemauerten Schornstein angreift. Bei vorhandenem Edelstahl-Schornstein nur Querschnittsprüfung.
Was kostet ein Brennwertkessel? +
Brennwertgastherme inkl. Einbau, Schornsteinanpassung 8.000-12.000 €. Brennwertöl 12.000-15.000 € inkl. Tankprüfung. Hybrid mit Solarthermie +5.000-8.000 €.
Gibt es Förderung für Brennwert? +
Reines Brennwert seit 2024 nicht mehr förderfähig. Nur als Teil einer EE-Hybridheizung (z.B. Brennwert + Solarthermie + Wärmepumpe) anteilige BEG-Förderung. Grundförderung 30 % nur für EE-Anteil.